Was wäre… wenn die Welt brennt?
Und wieder ein Thema, das für wenig Freude sorgt, aber da viele von euch dank des brennenden Amazonas vielleicht gar nicht mitbekommen haben, was hier los war/ ist, folgt eine kleine Zusammenfassung über die verheerenden Feuer in Indonesien.
Als ich in von Mitte Juni bis Mitte August in Pekan unterrichtete, fing es schon an, dass der Campus morgens in einem dichten Nebel gefangen war. Dass dies kein feuchter Nebel ist, weiß man, wenn man mal tief einatmet. Rauch. Eine Mischung aus frischem Grill und geschmortem Plastik. Dies war der Beginn der Trockenzeit in Indonesien, wo man den ausbleibenden Regen nutzt, um Felder und Wälder für neue Palmplantagen abzubrennen. Mehr zum Thema Palmöl hier. Zu der Zeit ist es auch in Malaysia recht trocken, wohingegen es von Indien bis Thailand heftig regnet (deshalb fahren ja auch alle um Weihnachten nach Thailand, während man in Malaysia und Indonesien eher Vorräte aufstockt, falls man mal das Haus nicht mehr verlassen kann). Die Monsunwinde drücken in den Sommermonaten den Rauch aus Indonesien hoch nach Singapur und Malaysia, dann knickt er Richtung Ostchinesisches Meer ab. Aber wie jedes Schulkind eigentlich weiß: Wenn es nicht regnet, spielt man nicht mit Feuer. So kommt es JEDES JAHR zu unkontrollierten, offenen Bränden. So sah es Ende Juli aus:

Das passiert jedes Jahr. Das heißt jedes Jahr sitzen alle Länder im Rauch, natürlich auch Indonesien selbst. Und da brennt leider nicht nur Grün (was schlimm genug ist!), sondern auch viele illegal entsorgte Müllberge, größtenteils importierter Müll aus England und Deutschland. Ganz legal und von Deutschland offiziell als “recycled” bewertet, aber Malaysia hat gar nicht die Technologie, um diesen Müll zu recyclen, daher kassieren sie nur das Geld und verbrennen alles einfach ungefiltert in abgelegenen Gegenden. Anderes Thema.

Dieses Jahr hatte Malaysia im Februar und März schon mit vielen Feuern zu kämpfen, da es dieses Jahr einfach kaum geregnet hatte. Und dann kam es, wie es kommen musste: Alles geriet außer Kontrolle. Im September brannte dann nicht nur Sumatra, sondern auch Borneo, Sulawesi … eigentlich alles:

Unten: Blick aus meinem Fenster (links) und Weg zur Arbeit (rechts)
Es hat lange gedauert, bis Indonesien Zugeständnisse machte und sagte: Nein, wir haben die Lage nicht mehr unter Kontrolle. Es sind die schlimmsten Waldbrände seit 2015 und eigentlich finde ich es noch verstörender, dass die Brände selbst als “normal” angesehen werden. Nur wenn es mal wieder “zu unangenehm” wird, gibt’s Beschwerden und Malaysia und Singapur zeigen mit dem Finger auf Indonesien, dabei sind es vornehmlich malaysische Firmen, die das Land in Indonesien für ihr Palmöl brandroden. Es brennen aber nicht nur Wälder, sondern vor allem auch Torfmoore. In Indonesiens Torfmoore, die 36% der Welt ausmachen, stecken 28 Gigatonnen (wtf?!) CO2. Und wenn die brennen, kann man nicht viel machen, als auf den Monsun zu warten – der zumindest in Malaysia dieses Jahr überpünktlich anklopfte. Seit Oktober kommen die Wind von Norden und drücken den Rauch wieder gen Süden, das heißt, dass ich wieder durchatmen kann. Und damit interessiert sich in Malaysia auch keiner mehr für die “Probleme da unten”. Dabei brennt es immer noch, wenngleich die Feuer eingedämmt wurden. Alles wartet jetzt auf den Regen…
Das könnte dich auch interessieren
Borneo, mein blutendes Herz
10. September 2019
Super-Fressmaschine in Korallenriffen am Werk
20. November 2018

